
Heute lade ich dich auf eine magische Reise ein, an einen Ort, den die meisten im Winter meiden.
Hast du schon vom Baikalsee gehört?
Vor 3 Jahren traf ich die Entscheidung, den Baikalsee im Winter zu besuchen.
Damals musste ich eine Entscheidung treffen:
Fahre ich ans Ende der Welt oder Ende der Zivilisation nach Teriberka, das letzte Dorf in Nordrussland, an den Barentssee, der direkt zur Arktis führt, oder fahre ich zum Baikalsee. Damals entschied ich mich nach Teriberka in den Norden zu reisen… dazu erzähle ich später mehr…
Doch der Traum, den Baikalsee im Winter in Sibirien zu besuchen, wurde nur noch größer.
Dieses Jahr ist es soweit, ich reise an den Baikalsee in Sibirien, mitten in der kältesten Zeit des Jahres.
Mein Reiseziel in einer Distanz von 7.500 Kilometer von Deutschland:
Gefrorener See, wunderschöne Natur, Schamanen und ein mystischer Ort voller Legenden.
Warum sollte man überhaupt zum Baikalsee reisen?
Der Baikalsee ist der größte und tiefste Süßwassersee in der gesamten Welt.
Mit 25 Millionen Jahren ist er auch noch der älteste See der Welt und wurde von UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.
10 mal älter als die Menschheit
Die Menschen sind erst seit ca. 2,5 Millionen Jahren auf der Welt, laut der wissenschaftlichen Sicht.
Der Baikalsee ist ein mystischer Ort, den die Menschen mit Schamanen und mysteriösen Legenden und unerklärlichen Phänomenen verbinden. Es gibt sogar Geschichten von Bewohnern, die UFO’s aus dem Wasser aufsteigen gesehen haben.
Der Beikalsee ist ein Kraftort, an den jedes Jahr tausende Menschen reisen.
Er liegt tief in Sibirien, in Russland, in der Nähe zur Mongolei und China.
Doch warum ausgerechnet im Winter, ist es in Sibirien nicht unglaublich kalt?
Während in Deutschland die durchschnittlich kälteste Temperatur im Winter -2 Grad erreicht, liegt die durchschnittliche kälteste Temperatur am Baikalsee bei -19,3 Grad Celsius.
-38,7 Grad in Deutschland wurde nur einmal in der Geschichte im Jahr 1929 gemessen. Im Baikalsee erreicht die Temperatur jedes Jahr bis zu frostige -40 Grad.
Durchschnittlich liegt sie im Winter jedoch bei -16 Grad.
Warum machen sich ein paar wenige Menschen ausgerechnet im Winter auf zum Baikalsee, wenn die Temperaturen so lebensgefährlich tief sinken?
Der größte See der Welt friert im Winter komplett ein. Das ist eine Sensation. Es gab sogar vor vielen Jahren eine Eisenbahn, die im Winter über den Baikalsee gelegt wurde und auf den Züge gefahren sind. Züge sind über dem Eis gefahren.
Zurück zu meiner Reise:
Am 7. Februar steige ich in ein Flugzeug in Almaty, Kasachstan und fliege nach Sibirien.
Die Fluggesellschaft „Yakutia Airlines“ benannt nach der kältesten Region Russlands, bei der die Temperaturen im Winter regelmäßig auf unter –40 Grad Celsius sinken.
Das Flugzeug landet um 21 Uhr Abends in Sibirien, in der Stadt Irkutsk, mit einer +7 Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland.
„Draußen sind gemütliche -22 Grad Celsius„, berichtet der Pilot durch die Lautsprecher.
Lange Wartezeiten auf das Taxi sind hier sehr ungemütlich.
Dieses Foto mache ich in Irkutsk bei -22 Grad Celsius, während ich auf das Taxi warte.
Du siehst auf dem Foto, wie alles gefroren ist. Schnee der einmal gefallen ist, bleibt hier bis zum Frühling die ganze Zeit liegen. Die Stadt ist mit einer weißen Schneedecke bedeckt.
Nachdem ich in Sibirien in der Stadt Irkutsk ankomme, begegne ich 2 Herausforderungen.
Die erste Herausforderung: Der Baikalsee liegt in der Zeitzone +7 Stunden voraus. Wenn in Deutschland 13 Uhr heller Tag ist, ist es am Baikalsee bereits 20 Uhr dunkler Abend. Manchmal habe ich Zoom Meetings um 19 Uhr deutscher Zeit, diese finden dann um 02:00 Uhr Nachts sibirischer Zeit statt, was zur zusätzlichen Belastung führt.
Die zweite Herausforderung: Es ist unglaublich kalt bei -15 Grad Celsius. Die offene Haut friert nach wenigen Minuten und es fühlt sich so an, als wenn du deine Hand ins Gefrierfach hältst bei -15 Grad.
Die ersten Tage nutze ich, um mich dieser neuen Lebensbedingung anzupassen und bereite meine Reise zum größten See der Welt vor.
Das Ziel meiner Baikalsee Reise im Winter ist: der gefrorene See, der sich in Eis verwandelt, ein magischer Moment.
Es ist eine Sensation auf dieser Erde und ich will sie selbst erleben. Ich möchte im tiefsten Winter auf dem dicken Eis stehen, damit das Eis mich über dem Wasser trägt.
Der Baikalsee ist so riesig, was muss ich in dieser kurzen Zeit sehen? Was sollte ich auslassen?
Ein paar Fakten zum Baikalsee und seiner Dimension:
- Der See ist 25 Millionen Jahre alt (10 x älter als die Menschheit)
- Mit 1.642 Metern ist er der tiefste See der Erde
- 455,5 m Höhe über dem Meeresspiegel, er befindet sich daher auf einem Berg.
- Wasseroberfläche hat 31.722 km² (1/10 der Fläche von Deutschland 357.588 km²)
- Uferlänge von rund 2.125 km (1/20 von Erdumfang mit 40.000 Km)
- Südwesten zum Nordosten (längste Linie durch den See) 673 km lang
- maximal 82 km breit
- 1996 wurde die Baikal-Region von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt
Wie sieht es mit unseren Nachbarländern aus, wie Österreich und der Schweiz?
Mit 31.722 km² Fläche ist der See fast so groß wie die gesamte Schweiz mit 41.291 km² Fläche.
Oder fast die Hälfte von Österreich von 83.882,56 km² Fläche.
Wie lang ist der See bemessen an uns vorstellbaren Größen?
Vergleich zu Deutschland (Nord nach Süd): Die Strecke zwischen Flensburg und München beträgt 951 km.
Der Baikalsee hat eine Länge von 673 km. (Das ist die Strecke von Flensburg nach Frankfurt.)
Der Baikalsee ist 2/3 so lang wie Deutschland.
Oder wie quer durch Österreich. Wenn man in Österreich von Bregenz (West) nach Bratislava (Ost) fährt, sind es 686 km, der See hat eine Länge von 673 km.
Die Schweiz ist mit einer Breite von 384 km nur die Hälfte so lang wie der größte See der Welt, der im Winter einfriert.
Wo soll meine Reise nun beginnen, wenn der See eine Größe zwischen Flensburg und Frankfurt hat?
Foto aus Wikipedia vom Baikalsee. Der größte See der Welt ist 2/3 so lang wie Deutschland.
Nach einer intensiven Recherche entdecke ich einen Ort, wo ich unbedingt hin möchte.
Die Insel der Schamanen.
Es ist eine bewohnte Insel auf dem See. Die Insel heißt „Olchon„.
Im Sommer gibt es nur einen Weg, auf die Insel zu kommen, mit der Fähre.
Im Winter gibt es 2 Wege.
Weg 1: Luftkissenboot (Schwebefahrzeug)
Weg 2: Mit dem Auto übers Eis fahren.
Foto: Google Maps Karte, geplante Reise auf die Insel der Schamanen Olchon
Es ist mittlerweile der 15. Februar und nachdem ich die Reise, die Wohnung und ein Auto organisiert habe, entdecke ich ein gefährliches Problem…
„Immer noch versinken täglich Autos im See, da das Eis noch zu dünn ist“, berichten mir die Autovermieter.
Die Straßenbehörde prüft jeden Tag, ob das Eis dick genug geworden ist, um mit dem Auto drüber fahren zu können. Und ich prüfe jeden Tag, ob die Behörde das Befahren des Eises offiziell freigibt.
Noch hat die Straßenbehörde die Fahrt über das Eis offiziell nicht bestätigt. Und trotzdem fahren Einheimische mit ihrem Auto auf dem See und hin und wieder versenken sie es.
Ich möchte sicher nicht das gemietete Auto im Baikalsee versenken, deshalb bin ich sicher nicht her gekommen…
Dieser Winter ist wärmer als die letzen Winter, daher ist das Eis immer noch nicht gefroren, berichten die Medien vor Ort.
Anstatt aufzugeben und meine Rückreise anzutreten, ändere ich meine Reise, ich verlängere den Aufenthalt und fahre stattdessen an einen anderen traumhaften Ort.
Das nächste Reiseziel ist das kleine Dorf „Listwjanka“ oder (auf russisch „Листвянка“) direkt am Ufer vom Baikalsee.
Die Fahrt von der Hauptstadt der Region Irkutsk nach Listwjanka dauert 1 Stunde.
Ich fahre auf dieser Straße durch einen großen Wald. Rechts und Links und sogar auf der Straße liegt überall reichlich Schnee.
Foto: Fahrt zum Dorf Listwjanka durch einen Schnee bedeckten Wald.
Nach einer Stunde Fahrt komme ich endlich im Dorf Listwjanka an, in einer gemieteten Wohnung für mehrere Tage. Nach einer kleinen Pause mache ich mich auf den Weg, um das zu sehen, warum ich nach Sibirien geflogen bin.
Die erste Aussicht ist wunderschön und weckt gleichzeitig die erste Enttäuschung und Zweifel darüber, ob der See tatsächlich gefroren ist. Der Grund, warum ich überhaupt hierher gereist bin….
Foto: Der Baikalsee vom Dorf Listwjanka, Er ist nur zum Teil gefroren. Vom Ufer fließt Wasser bis weiter am Horizont Eis den See bedeckt und dahinter das Baikal Gebirge. Ist diese Aussicht nicht wunderschön?
„Hat sich die Reise überhaupt gelohnt, werde ich jemals auf dem gefrorenen See stehen?“ kommen die ersten Zweifel….
„Es gibt keinen Weg mehr zurück. Nun bin ich hier. Ich möchte sehen, was der See alles zu bieten hat„, bestätige ich meine Absicht zur Weiterfahrt und drücke aufs Gaspedal.
Während ich mich dem Baikalsee nähere, mache ich noch ein letztes Foto.
Es ist ein Foto der Hoffnung, dass ich doch noch auf dem Eis stehen kann.
Ist es nicht eine wunderschöne Momentaufnahme?
Vorne siehst du den fließenden Baikalsee, in der Mitte sind 3 Schwebeboote, die alle 10 Minuten Touristen auf dem Eis transportieren und im Hintergrund siehst du die Berge vom anderen Ufer des Sees, die sich mit Wolken vermischen.
Foto: 3 Schwebefahrzeuge transportieren Touristen über dem Eis am Rande zwischen Eis und fließendem Wasser.
Einige Kilometer weiter parke ich am rechten Rand der Straße. Da es hier wenige offizielle Parkplätze gibt, parken alle am Straßenrand.
Seit der ersten E-Mail zur Baikalsee-Reise, bekam ich von mehreren Lesern Nachrichten, dass auch sie vor vielen Jahren im Winter zum Baikalsee gefahren sind. Auch sie wollten den gefrorenen See sehen. Einige von Ihnen waren auch in diesem Dorf Listwjanka.
Es ist wirklich eine Sensation.
Der Baikalsee ist tatsächlich gefroren. Sehr viele Menschen spazieren auf dem Eis und genießen die Sensation.
Foto: Viele Menschen spazieren auf dem größten See der Welt, als ob sie auf Wasser gehen können.
Nachdem ich aus dem Auto ausgestiegen bin, gehe ich aufgeregt zum Ufer und steige zuerst nur sehr vorsichtig auf das Eis.
Äußerst vorsichtig und langsam betrete ich die ersten cm Eisfläche, mit der Erwartung, dass das Eis gleich unter mir einbricht und ich im eiskalten Wasser stehe.
Nach einigen Schritten auf dem Eis, gehe ich immer ein paar Schritte weiter und noch weiter und weiter…
So langsam entspannen sich meine Nervenzellen und ich stehe voller Freude auf dem gefrorenen Wasser.
Der Grund, warum ich überhaupt hierher gereist bin.
Foto: Das erste Mal im Leben, dass ich auf dem Baikalsee stehe.
Als nächstes gehe ich immer weiter weg vom Ufer, tiefer in den See hinein.
Mein Überlebensinstinkt kann sich nicht vollständig entspannen.
Zwischendurch schaue ich immer wieder nach unten und die Angst vor dem Einbrechen kommt wieder hoch.
Es sind sehr viele und sie sind überall.
Unter mir sehe ich überall diese großen Risse im Eis. „Ein Falscher Schritt und das Eis bricht“ sage ich immer wieder.
Foto: Das erste Mal, dass ich so große Risse im Eis sehe und mein Leben davon abhängt.
„Gibt es Stellen, an denen das Eis nicht fest genug gefroren ist? Wird das Eis ausgerechnet bei mir durchbrechen?“ kommen panisch Gedanken auf.
„KNACK“ …. ein sehr lautes Geräusch kommt vom Eis unter mir.
Auch andere Menschen um mich herum erschrecken sich vom Riss-Geräusch unter dem Eis auf dem wir stehen.
Etwas panisch und mit rasendem Herzklopfen laufe ich schnell Richtung Ufer und schaue zurück, ob das Eis irgendwo eingestürzt ist.
Während ich mich in Sicherheit bringe und Richtung Ufer gehe, höre ich wie andere Menschen über das Knacken des Eises sprechen. Sie sagen, dass sie es überall auf dem Eis ab und zu auftritt und sie anfangs auch Angst hatten.
So langsam beruhige ich mich und verweile auf dem Eis. Die Angst ist beinahe wieder weg.
Nachdem ich mich wieder beruhigt habe, lasse ich meine Drohne steigen, um beobachte den See aus der Luft.
Siehst du überall auf dem See die großen Risse? Auf dem Eis, siehst du runde Punkte, das sind die Menschen und ich.
Währenddessen geht die Sonne langsam unter und der erste Tag auf dem Eis geht langsam dem Ende zu.
In den letzten Minuten der „Goldenen Stunde“, schieße ich noch diese traumhaften Fotos
Diese Brücke ist normalerweise die einzige Möglichkeit über dem See zu stehen, doch im Winter nutzt sie niemand.
Ein traumhafter Sonnenuntergang. Der sibirische See ist in Eis gehüllt und im Hintergrund siehst du Berge rund um den See.
Letztes Foto heute Abend. Selbst die Einheimischen fahren noch bei Sonnenuntergang mit ihrem Schneemobil über dem Eis.
Ich habs geschafft, das Reiseziel habe ich erreicht. Ich erlebe tatsächlich die Sensation des gefrorenen Sees am Baikal.
Doch damit ist meine Reise noch lange nicht vorbei. Der Baikalsee hat noch sehr viel zu bieten. Die Reise hat gerade erst begonnen.
Als nächsten berichte ich dir von der Vorbereitung auf das Eisfestival, von meiner Reise mit dem Luftkissenfahrzeug und zeige dir wunderschöne Fotos vom größten gefrorenen See der Welt, der jedes Jahr nur für wenige Wochen einfriert…
Heute möchte ich dir das nächste Eiswunder zeigen, das ich auf dem Baikalsee erfahren durfte.
Mittags fahre ich aus der Wohnung um zu erkunden, was der gefrorene See noch alles zu bieten hat.
Während ich entlang des gefrorenen Sees fahre, sehe ich seltsame Bauwerke auf dem Eis, nur 50 Meter vom Ufer entfernt.
Ich folge meinem inneren Impuls, drücke leicht auf das Bremspedal und fahre rechts ran.
Neugierig gehe ich runter zum Ufer und betrete vorsichtig das Eis. Diesmal vertraue ich dem Eis mehr, dass das Eis mich über dem eiskalten Wasser trägt.
Je näher ich den seltsamen Bauwerken komme, desto mehr erkenne ich, was es ist.
2 Menschen, inmitten dieser runden Struktur schlagen, schleifen und bohren die Eisblöcke. Erst mit einer gewissen Perspektive erkenne ich, dass diese Kreisrunde-Skulptur ein Labyrinth aus Eis ist.
Die nächste Skulptur ist eine halbrunde Kugel mit mehreren Kreisen rundherum:
Links davon sehe ich diese Lokomotive aus Eis:
Ein paar Schritte weiter voraus, finde ich Eisblöcke, die frei herumstehen.
Irgendjemand holt die schweren Eisblöcke aus dem See heraus und bringt sie hierher, damit Künstler daraus Eis-Skulpturen kreieren.
Auf diesem Foto fotografiere ich die Sonne durch den Eisblock:
Viele Schritte weiter, finde ich diese Monolith-Blöcke aus Eis. Sehen diese Eisblöcke auf dem Eis vor der Sonne mit den weit fallenden Schatten nicht beeindruckend aus?
So langsam verstehe ich was, das ist…
Die einheimischen Künstler bereiten sich auf das Eisfestival vor und schnitzen wunderschöne Skulpturen aus Eis.
Hier findest du einige weitere wunderschöne Skulpturen aus Eis, vielleicht erkennst du sie aus einem Märchen?
Eine weitere Skulptur:
Und hier schnitzt der Künstler einen Thron ganz aus Eis.
Sieht das nicht wunderschön aus?
Ich habe sowas noch nie im Leben live gesehen, das ist das erste Mal.
Zugegeben, es ist eine Herausforderung mich an diesen Eisskulpturen zu erfreuen.
Die -15 Grad Temperatur und der kalte Wind holen mich aus dieser wunderschönen Landschaft schnell wieder zurück. Nach 15 Minuten spüre ich Schmerzen im Gesicht, da ich meine Wangen nicht zusätzlich mit meinen Handschuhen verdecke. Schnell bewege ich mich Richtung Auto, um mich in einem warmen Restaurant mit russischem Essen aufzuwärmen.
Als nächstes erzähle ich vom letzten Tag im Dorf Listwjanka und von der Fahrt mit dem Schwebefahrzeug über das weite Eis.
Und warum Jesus nicht auf Wasser ging…
Es ist mein letzter Tag im Dorf Listwjanka, bevor ich eine Entscheidung treffe, ob ich meine Reise abbreche, weil das Eis nicht fest genug gefroren ist oder ob ich Glück habe und auf die Schamanen Insel fahre.
Ich bin so fasziniert von dem Eis.
Aus dem flüssigen Wasser werden mathematisch korrekte Rechtecke gebildet, die sich über den gesamten See erstrecken.
Als ob jemand mit Lineal alles abgemessen hat und dem Eis die Anweisung gibt, wie es sich zu bilden hat.
Ist das nicht faszinierend, wie das Eis in geraden Linien gebildet wird?
Im flüssigen Zustand des Wassers herrscht eine Mischung von Chaos und Ordnung in den Wassermolekülen. Im gefrorenen Zustand, wo das Wasser zu Eis wird, findet eine Kristallisation statt, durch Ausbildung eines Kristallgitters. Das Eis verwandelt sich tatsächlich in Kristalle. Sinkt die Temperatur weit unter -22 Grad, nehmen die Moleküle des Wassers die Form eines Diamant-Kristalls ein.
Während ich über dem Eis laufe, kommt mir der verrückte Gedanke…
Kann es sein, dass Jesus niemals auf Wasser gelaufen ist?
Sondern auf Eis!
Ist das nicht ein verrückter Gedanke?
Während ich hier auf dem Eis laufe, fühlt es sich an als ob ich auf Wasser laufe.
Ich weiß, dass das Eis jeden Moment einbrechen kann und ich klitsch Nass im eiskaltem Wasser bin… eine beängstigende Vorstellung.
Das Jesus tatsächlich auf Wasser gelaufen ist, dazu gibt es keine wissenschaftliche Erklärung. Dieser Gedanke lebt nur vom Glauben an ein Wunder.
Aber, was, wenn es bereits eine wissenschaftliche Erklärung gibt, wie Jesus tatsächlich auf dem Eis laufen konnte. Würde es unsere Weltsicht verändern?
Wie ist es möglich, dass Jesus auf dem Eis gelaufen ist, wenn es in Jerusalem so heiß ist?
Die ersten kritischen Gedanken entwickelte ich, als ich Videoaufnahmen aus dem Gazastreifen sah. Als Israel den Gazastreifen bombardierte, waren auf den Aufzeichnungen Menschen mit Winter Jacken zu sehen.
Da erkannte ich, dass es in Palästina im Winter doch ganz schön kalt ist. Es ist nicht die Wüstenhitze, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Die Temperaturen sinken im Winter auf 8 Grad Celsius.
See Genezareth (Sea of Galilee), so heißt der See, auf dem Jesus auf Wasser gelaufen sein soll. Im Winter erreicht der See 11 Grad Celsius im Jahr 2025.
Wasser gefriert aber bei 0 Grad, wie kann dort Eis entstehen?
Vor 10.000 Jahren endete die Eiszeit, also 8.000 Jahre vor Christus.
Manche Wissenschaftler behaupten, wir leben immer noch in einer Eiszeit
Definition Eiszeit: Mit Eiszeitalter werden Perioden bezeichnet, in denen mindestens einer der Pole eine dauerhafte Eiskappe trägt. Nach anderer Definition müssen beide Pole von Eis bedeckt sein. Wir leben heute also auch in einem Eiszeitalter, laut einiger Wissenschaftler.
Seit etwa drei Millionen Jahren wechselt das Klima zwischen zwei Extremen, den Eis- und Warmzeiten, mit einer Periode von etwa 100.000 Jahren.
…das zum Thema Globale Erderwärmung.
Seit 10.000 Jahren, dem offiziellen Ende der Eiszeit, wird es bis heute 2025 immer wärmer.
Jetzt erreicht der See Genezareth 11 Grad Celsius im Winter, auf dem Jesus auf Wasser gelaufen haben soll. Kann es möglich sein, dass vor 2.000 Jahren in einem sehr kalten Winter, die Temperaturen auf -5 Grad oder tiefer gesunken sind und einige Stellen im Wasser zu Eis eingefroren sind?
Wie im ersten Teil der Baikalsee Reise erwähnt, sanken in Deutschland an einem Ort, im Jahr 1929 die Temperaturen auf -38,7 Grad. Wäre es also möglich, dass vor 2000 Jahren, die Temperaturen am besagten See einmalig auf -10 Grad sinken und Eis im Wasser entsteht?
Tatsächlich konnte ich einen Artikel finden, der meine These bestätigt, dass Jesus auf Eis gelaufen ist!
Auszug aus RHEINISCHE POST:
„Bei dem heutigen warmen Klima im nördlichen Israel ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich dabei über den Quellen Eis bildet, sehr gering. Das sah vor 2000 Jahren jedoch anders aus: Im Schnitt sei die Lufttemperatur in der Zeit vor 2500 bis 1500 Jahren um mindestens drei Grad niedriger als heute gewesen.
Fegten zusätzlich noch kalte Luftströmungen über die Seeoberfläche, fiel die Lufttemperatur teilweise für mehrere Tage deutlich unter den Gefrierpunkt – und unter solchen Bedingungen könnten sich über den Quellen zumindest für wenige Stunden tatsächlich kleine Eisschollen gebildet haben, schreiben die Wissenschaftler. Ihrer Schätzung nach gab es solche Kälteeinbrüche etwa alle 160 Jahre einmal.
Ein Mensch, der auf einem solchen schwimmenden Eisstück stand, hätte vom Ufer aus tatsächlich so gewirkt, als gehe er auf dem Wasser.„
Kann es wahr sein, dass Jesus tatsächlich auf Eisschollen, die sich unter der Wasseroberfläche gebildet haben, gegangen ist?
Damals waren die Menschen nicht sehr belesen, die meisten konnten noch nicht einmal lesen. Viele Menschen konnten die Phänomene, vor allem wenn sie alle 160 Jahre auftreten, nicht erklären.
Damals hatte man an Götter geglaubt, an Zauberei und an Wunder.
Die Antwort darauf überlasse ich dir … 😉
…Zurück in das Jahr 2025 zu meiner Baikalsee Reise in Sibirien…
Hier ein paar wunderschöne Fotos vom Baikalsee, wo ich weit in den See hinein gehe und tatsächlich angst habe, ob das Eis unter mir einbricht. In meiner Erinnerung ist der laute Eis Riss vom ersten Mal immer noch deutlich zu hören und um mich herum gibt es niemanden, der mir zur Hilfe eilen könnte…
Ausblick auf den Baikalsee mit gefrorenen Wellen:
Interessant ist, dass du hier weit draußen Zelte auf dem Eis findest. Als ob jemand auf dem Baikalsee bei -15 Grad im Zelt übernachtet.
Die Zelte sind von den Fischern, die hier im tiefen Winter Fische fangen.
Im Baikalsee gibt es einen einzigartigen Fisch Omul (Омуль), den es nirgendwo auf der Welt gibt, nur hier und die Menschen lieben diesen Fisch.
Im Anschluss fahre ich noch mit dem Schwebefahrzeug über dem Baikalsee:
Schiffsfriedhof am Baikalsee. Im Sommer schwimmen diese Schiffe auf dem Wasser, im Winter stehen sie im Eis.
Zum Abschluss des Tages, ein wunderschönes Foto vom Schwebefahrzeug im Sonnenuntergang:
Als nächstes verrate ich dir, ob ich meine Reise tatsächlich abbreche oder doch noch zur Schamanen Insel Olchon reise…
So was habe ich noch nie zuvor erlebt…
„Die Eisschicht ist dick genug geworden, das Fahren über der Winterstraße ist jetzt erlaubt„, berichten die örtlichen Medien.
Die Einheimischen nennen die Straße „зимник“, übersetzt heißt es „Winterstraße“.
Sehr viele haben auf diesen Moment gewartet, auch ich.
Ich packe meine Sachen, miete ein Apartment am Ufer und ein größeres Auto und fahre 3 Stunden lang ans Ufer, von wo ich zur Insel Olchon gelangen kann, das ist die Insel der Schamanen.
3 Stunden später komme ich am Ufer an, checke im Apartment ein und begegne meiner Angst…
Ich habe noch nie eine offizielle Straße aus Eis gesehen, die von der Straßenbehörde gewartet wird.
Foto: Eisstraße die vom Festland zu einer Insel führt, diese Straße ist nur im Winter für wenige Wochen befahrbar, hat Straßenschilder und 2 Bahnen mit 100 Meter Abstand
Ich bin schon 2 mal Fallschirm gesprungen und lande selbst als Pilot ein Flugzeug sicher auf der Landebahn, aber hier habe ich wirklich angst.
„Was ist, wenn das Eis ausgerechnet bei mir einbricht, soll ich es wirklich wagen und über dieses Eis auf die Insel fahren?“ frage ich mich zögerlich.
Ist es nicht unglaublich? Ein 700 kg schweres Fahrzeug fährt über dem Wasser und es kann innerhalb weniger Sekunden mehrere hundert Meter tief sinken…
Auch hier vor Ort, höre ich immer wieder, dass manche Autos im See versinken.
Und doch fahren pro Tag hunderte, wenn nicht tausende Autos über diese Winterstraße…
Hast du sowas schonmal erlebt?
Wie dick muss das Eis sein, damit ein Auto sicher darüber fahren kann?
So dick muss das Eis sein um nicht einzubrechen:
– Einzelpersonen: 5 cm
– Personengruppen: 8 cm
– Schlittenfahrzeuge: 12 cm
– PKW, sonstige Fahrzeuge: 18 cm
Vielleicht erinnerst du dich an meine letzte E-Mail, in der ich darüber schrieb, dass Jesus auf Eis anstatt auf Wasser gelaufen sein könnte? Hier sehen wir, das Eis muss nur 5 cm dick sein, damit ein Menschen darauf stehen kann.
Die Regierung erlaubt das Befahren dieser Winterstraße offiziell erst ab einer Dicke von 50 cm. Erlaubt sind bis zu 10 Tonnen Gewicht und eine maximale Fahrgeschwindigkeit von 30 km/h.
Diese Winterstraße ist 11 km lang, vom Festland bis zur Insel Olchon.
„So viele andere Autos fahren über diesem Eis und die Straße wird von der öffentlichen Behörde kontrolliert, ich werde das nur hier und nur einmal im Leben erleben können, mit dem Auto auf einem See fahren„.
Mit diesen Gedanken drücke ich zögerlich und mit Herzrasen aufs Gaspedal und fahre vom Festland langsam aufs Eis.
Ich schnalle meinen Gurt ab und öffne leicht die Tür, damit ich im Notfall aus dem Auto zügig aussteigen kann, während das Auto im See versinkt, sobald das Eis einbricht.
Mein Herz fühlt sich an, als ob es gleich vor Aufregung zerspringt, die Angst, dass ausgerechnet bei mir das Eis einstürzt und das gemietete Auto im See versinkt, wird immer dominanter.
Überall sehe ich diese großen Risse im Eis. Jeder Riss bedeutet, dass ich mit dem Auto in Sekunden im eiskalten See versinke.
Und manche Risse sehen wirklich schlimm aus, so als ob der große Riss auf mich wartet…
Es fühlt sich wie ein Vertrauenstest an. Optisch sieht es aus, als ob die Welt um mich herum einstürzen wird und der See mich in die Tiefe reißt. Nicht nur die Angst, sondern die tatsächliche Gefahr ist real. Und nur mein Vertrauen, dass alles gut wird, ermöglicht es mir, im Auto sitzen zu bleiben und weiter zu fahren.
11 km weiter fahre ich auf dem Eis zur Insel und freue ich mich endlich Erde unter meinen Reifen zu haben. Es fühlt sich so sicher an, endlich wieder auf festem Boden zu fahren.
Weiter fahre ich 40 Minuten über viel befahrene Hügel, auf denen sich eine Straße gebildet hat. Das ist die einzigste Straße vom Ufer bis zur ersten Siedlung.
Das ist die Insel der Schamanen, so wird sie immer wieder genannt.
Diese Insel ist abseits von der Zivilisation. Die Einwohner fahren 3 bis 4 Stunden von der Stadt, um auf diese Insel zu kommen.
40 Minuten später komme ich in der größten Siedlung der Insel an, in Khuzhir, auf russisch „Хужир“.
Viele Menschen reisen hierher, um vom Stadtleben abzuschalten.
Eine freundliche Mitarbeiterin im Café sagt: „Ich fahre jedes Jahr für 3 bis 6 Monate auf dieser Insel, lebe hier und arbeite hier im Café. Hier komme ich endlich zur Ruhe und kann vom dem ganzen Stress abschalten. Am liebsten würde ich das ganze Jahre hier leben, aber wegen meiner Tochter, die in den Kindergarten geht, lebe ich noch in der Stadt.„
Die meisten Insel-Bewohner leben in dieser Siedlung und das ist die erste und wichtigste Anlaufstelle für Touristen. Du findest hier Restaurants, Hotels und Supermärkte.
Auch Schamanen bieten hier ihre Hilfe an. Du findest hin und wieder Aushängeschilder, die zu einem Schamanen führen.
Die Preise sind hier allerdings sehr hoch. Von Hotel bis Café, zahlst du hier ein Vielfaches, als auf dem Festland.
Auf der Insel findest du immer wieder Säulen, die in bunte Tücher gewickelt sind.
Die Einheimischen pflegen diese Tradition und ehren damit Götter und verschiedene Geistwesen.
Vom Café aus, fahre ich direkt zu den bekanntesten Säulen: „Säulen der Schamanen“
Jede Säule steht für eine andere Gottheit und sie wurden zur Ehre der verschiedenen Götter aufgestellt. Touristen bringen Gaben auf diese Steine und beten um geistige Unterstützung, für Heilung oder das sich ein sehnlicher Wunsch erfüllt.
Überall auf der Insel und in diesem Gebiet findest du vereinzelte Säulen, die einem Ahnen oder Göttern gewidmet sind. Aber nur an dieser Stelle stehen so viele hohe Säulen an einem Platz in einer Reihe.
100 Meter weiter siehst du den berühmten Schamanen Felsen oder auf Russisch „Шаманская Скала“.
An diesem Ort, beim Schamanen Felsen und den Säulen der Schamanen, treffen sich verschiedene Welten.
Der Ausblick ist unglaublich schön. Auf dem Eis fahren immer wieder Autos mit Touristen, manche Besucher fahren Schlittschuh auf dem Eis, 100 Meter weiter ist das nächste Eisfestival mit einzigartigen Skulpturen aus Eis.
Ein magischer Moment…
Nach einer kurzen Pause fahre ich weiter zur Nordseite der Insel.
Es gibt nicht wirklich eine Straße, du fährst über vielbefahrene Hügel, ab und zu siehst du Ortsschilder. Manchmal stehen Kühe oder wilde Büffel am Straßenrand.
20 km weiter komme ich in diesem Dorf an.
Es ist ein autarkes Dorf. Zwar bekommen sie Strom geliefert, jedoch leben sich autark.
Viele leben vom Fischen, im Sommer bauen sie Gemüse an, wie im gesamten Land. Wer etwas Besitz hatte, hat Häuser gebaut und vermietet sie jetzt an Touristen.
Dieses Dorf ist von der großen Siedlung Khuzhir 20 Minuten mit dem Auto entfernt.
Ja in diesem Dorf leben tatsächlich im Winter Menschen. Zwar nicht sehr viele aber ich habe sie gesehen.
Es ist so ein seelenruhiger Ort.
Ich sehe mehrere solcher kleinen Dörfer entlang der Straße.
Nur an diesem Ort sehe ich dieses Phänomen: Sandstrand und anstelle vom Meer, sind Wellen aus Eis, die in der Bewegung eingefroren sind.
Sieht das nicht magisch aus?
Während es langsam dunkel wird, fahre ich zum Apartment zurück. Erstmal fahre ich 45 Minuten die Hügelstraße auf der Insel bis zum Ufer. Anschließend stelle ich mich wieder meiner Angst und fahre schon im Anbruch der Dunkelheit über die Winterstraße, über dem Eis das tausend Risse hat, zurück aufs Festland und bete, dass das Eis jetzt nicht einstürzt.
Sowas habe ich noch nie erlebt. Eine Winterstraße, die 11 km lang ist und auf der hunderte, wenn nicht tausende Autos jeden Tag fahren. Diese Eisstraße hat überall kleine und größere Risse und doch sollte es so sicher sein, wie auf einer Straße.
Als nächstes erzähle ich dir von einer Winterstraße, die offiziell nicht kontrolliert wird, auf der täglich Autos im See versinken und wie die Einheimischen sich frei über dem Eis bewegen…
Es ist auch eine sehr persönliche Reise und Erfahrung.
Umso mehr freue ich mich über alle E-Mails, dich ich von dir und anderen Lesern zur Reise erhalten habe, mit guten Wünschen und die mich inspirierten, weiter über meine Baikalsee Reise zu berichten.
Heute ist der letzte Tag meiner Baikalsee Reise und auch heute gehe ich noch einen Schritt weiter hinter meine Angst.
Heute verlasse ich alle logischen Argumente, alle logischen Gründe und tue etwas, was rational nicht erklärbar ist…
Vor meiner Baikalsee Reise sah ich Fotos von gefrorenen Luftbläschen im Eis und wollte das unbedingt selbst gerne sehen. Bisher hatte ich noch nicht die Gelegenheit dazu.
Heute startet meine Reise mit der Fahrt im Schwebeboot auf dem Eis vom Baikalsee, in der nähe der Schamanen-Insel.
Der Fahrer bringt uns, eine kleine Gruppe, an entlegene Stellen auf dem Eis und zeigt uns wunderschöne Eisflächen.
Das ist die entspannteste Fahrt auf dem Eis. Denn ich mache mir gerade keine Sorgen, ob das Eis unter mir einbricht, denn das Schwebefahrzeug fährt sicher auf Eis und auf Wasser.
Das Schwebeboot bringt uns an eine Stelle, die im Sommer nur mit dem Boot erreichbar ist.
Die Wellen sind in der Form eines Kristallgitters eingefroren und anstelle von runden Wellen, wie wir das vom Wasser her kennen, sind flache Kristallblöcke entstanden. Die gefrorenen Wellen sind so angeordnet, dass sie ein Sessel aus Eis bilden.
Die nächsten Stellen, an die uns das Schwebefahrzeug bringt, erfüllen mir meinen Wunsch.
Es sind Orte mit unzähligen gefrorenen Luftbläschen, wie auf den Fotos, die ich vor der Reise sah.
Es sind Methan-Luftbläschen.
Sie wollte ich in diesem Winter unbedingt sehen und hier sind ein paar Eindrücke wie das aussieht.
Im Baikalsee gibt es Stellen, an denen Methan von Unterwasser an die Wasseroberfläche steigt. Und während die Methan-Luftbläschen auf dem Weg an die Oberfläche waren, ist das Wasser eingefroren mit den Luftblasen. Sieht das nicht bezaubernd aus?
Diese weißen, flachen Kreise sind Methan-Luftblasen auf dem Weg an die Wasseroberfläche. Nun müssen sie bis zum Frühling warten, um ihren Weg fortzusetzen. An den Bläschen erkennt man wie Dick das Eis tatsächlich ist.
Nach 1,5 Stunden fahrt im Schwebeboot bringt er uns zurück zum Festland.
Während der Reise am Baikalsee lernte ich einen Touristenführer kennen, der Touren im Altaigebirge anbietet und jetzt nur Urlaub macht.
Dieser Touristenführer sagt, „Es gibt im Baikalsee eine Insel, die man nur mit einem Boot erreicht. Außer im Winter. Im Winter kann man auf dem Eis fahren„.
„Aber es gibt einen Haken.“
„Auf dem Weg über das Eis, verlässt man die offizielle Winterstraße und fährt über Eis, das die Straßenbehörden nicht kontrollieren. Es gibt keine Garantie, dass man auf der Insel ankommt, aber die Einheimischen machen das so.„
Anders gesagt: „Es gibt keine offizielle Straße zur Insel.„
Nach dem Mittagessen macht sich der Touristenführer mit seiner Familie auf dem Weg zum Auto, um zu dieser Insel zu fahren.
Mittlerweile sind wir eine kleine Gruppe von mehreren Menschen und wir entscheiden uns auch zur Insel zu fahren.
Es fühlt sich wie eine Abschlussprüfung an.
„Werde ich mit dem Auto die Insel erreichen und sicher aufs Festland zurückkommen? Oder werde ich das gemietete Auto auf der nicht-offiziellen Straße im See versenken?„
Diese Gedanken gehen mir immer wieder durch den Kopf, während ich mich ins Auto setze.
Es ist keine leichte Entscheidung und tatsächlich wünsche ich mir, ich hätte diesen Touristenführer nie getroffen, denn dann wäre jetzt alles leichter. Ich müsste mir keine Gedanken machen, ob ich zu dieser Insel fahre und würde jetzt am liebsten nach Hause fahren.
Ich habe ein richtig ungutes Bauchgefühl, aber ich kann es nicht richtig einschätzen, ob es nur Angst ist, oder ob es eine Warnung ist….
Letztlich entscheide ich mich, es ein letztes Mal zu wagen. Ich steige ins Auto und fahre mit dem Auto bis ans Ufer vor das gefrorene Eis.
Vor dem Befahren des Sees schnalle ich mich ab und frage mich, ob ich wirklich dieses Risiko eingehen möchte.
Logisch gibt es keinen Grund zu dieser Insel zu fahren:
- die Straße wird offiziell nicht kontrolliert
- immer noch versinken täglich Autos im See
- ich kennen diesen Menschen nicht, der mich dahin führt
- heute scheint die Sonne und die Temperatur liegt nahe bei 0 Grad, was ist, wenn das Eis heute schmilzt?
- falls ich das Auto versenke wird es hohe Folgekosten für mich haben
- es ist gefährlich
- ich bin nicht bereit das Auto im See zu versenken
Ehrlich gesagt, habe ich diesmal so viel Angst, dass ich meinen Ausweis und alles was sehr wichtig ist, in meine Hosentaschen stecke, damit falls das Auto tatsächlich im See versinkt, ich beim Verlassen des Autos, wenigstens meine Ausweis Dokumente mit mir habe und diese nicht tief im See versinken.
Würdest du zur Insel fahren und die offizielle Eisstraße verlassen?
Ich atme aus und drücke leicht aufs Gaspedal mit der Hoffnung, dass die Angst nur eine Täuschung ist… und fahre auf die offizielle Winterstraße…
Nach 5 Minuten Fahrt, biege ich leicht links ab und verlasse die offizielle Winterstraße.
Innerlich schreie ich und hoffe das alles gut wird…
Der offiziellen Winterstraße vertraue ich mittlerweile ein bisschen, aber nun fahre ich auf Eis, dass niemand prüft, jeder Riss könnte der letzte sein.
Ich begegne wieder meiner Angst und diesmal ist die Gefahr noch größer!
Gleichzeitig spüre ich auch ein befreiendes Gefühl, ein Gefühl der Lebendigkeit, dass ich etwas zurück gewinnen würde. Ich würde meine Freiheit und Lebendigkeit zurück gewinnen und muss mich nicht an Regeln, Kontrolle und Angst orientieren und kontrollieren lassen.
In der westlichen Gesellschaft ist das undenkbar. Es gibt Regeln, Gesetze, Kontrolle uns alle müssen sich brav daran halten! In anderen Kulturen, halten sich die Menschen gewöhnlich nicht an Regeln und treffen ihre eigenen Entscheidungen.
Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich fahre gerade auf Eis, das nicht kontrolliert wird. Die Angst, dass das Eis einbricht, ist noch größer als jemals zuvor.
Nur das Vertrauen, dass alles gut wird, hält mich einigermaßen ruhig.
Nach 5 Minuten fahrt im Zustand voller Angst, hin und wieder höre Ich Eis-Knack-Geräusche, sehe gefährlich Risse im Eis um mich herum und es fahren sehr wenige Autos auf diesem Weg…
Der Touristenführer ist so weit weg, dass ich ihn kaum sehe, ich fühle mich total alleine.
Ich bete, dass ein einheimisches Auto auftaucht und mir den Weg zeigt.
Und aus dem Nichts sehe ich ein einheimischen Mini-Van vor mir fahren.
Ich nutze die Gelegenheit, drücke aufs Gaspedal und versuche in den Spuren des einheimischen Vini-Vans zu bleiben. Falls er nicht ins Wasser fällt, werde ich auch nicht.
Kurz darauf erreiche ich die erste Insel und sehe weitere Fahrzeuge vor der Insel geparkt.
Meine ersten Gedanken sind: „Wo parke ich mein Auto?“
Parke ich es zu nah an den anderen Autos, könnte das Gewicht der stehenden Autos zu viel Druck auf das Eis ausüben und einbrechen.
Wo ist eine sichere Stelle, damit mein Auto nicht versinkt? Ich parke mit einem „Sicherheitsabstand“ zu den anderen Autos und erkunden diese Insel.
Nach 10 Minuten Erkundung fahren wir zur nächsten Insel, es ist eine Insel mit einem Tempel. Es ist ein besonderer Tempel. Die Einheimischen sagen, sie haben aus allen Ozeanen Wasser in den Tempel gebracht.
Während ich über diese nicht offizielle Eisstraße von einer Insel zur nächsten fahre, glaube ich meinen Augen nicht…
Ich habe noch nie so viel verkehr auf einer Eisstraße gesehen, die offiziell nicht gesichert ist. Jeden Augenblick kann das Eis einbrechen und dennoch fahren so viele Autos, wie auf einer normalen Straße aus Asphalt.
Glücklicherweise hält das Eis und ich komme zur zweiten Insel, zur Insel mit dem Tempel. Nach dem Aufstieg auf die Bergspitze sehe ich diesen Tempel.
Die Besucher bringen Gaben mit und gehen 3 mal im Kreis um den Tempel, während sie an ihre Frage oder ihren Wunsch denken, damit sich ihr Wunsch erfüllt oder sie eine Antwort erhalten.
Auf der Insel befinden sich diese Holzstäbe, die einheimische Schamanen aufgestellt haben, um Götter zu ehren.
Der Touristenführer entscheidet sich, weiter zu fahren, da er noch mehr sehen will. Meine Zeit hier vor Ort läuft langsam ab und ich muss zurück.
Das Problem ist jetzt: Ich fahre ganz alleine zurück, ohne jemanden, der sich auskennt, ohne, dass mir jemand den Weg weist.
Und es gibt keine offizielle Straße.
Ich atme tief ein und aus und lasse alle Ängste und Sorgen los.
Es hilft nichts. Entweder das Eis trägt mein Auto bis zum Festland zurück oder nicht. Und ich muss diesen Weg gehen oder fahren.
Beim Weg zurück orientiere ich mich an den Radspuren im Eis anderer Fahrzeuge. Ich vertraue darauf, dass das befahrene Eis noch fest genug ist.
Auf dem Weg entdecke ich wunderschöne Stellen und kleine Inseln, die vom Eis bedeckt sind und diese zauberhafte Landschaft bilden.
Während ich weiter fahre, erreiche ich endlich die offizielle Winterstraße mit Schildern und Straßenbegrenzung. Ich freue mich riesig, dass ich es bis hierher mit dem Auto geschafft habe, ohne das Auto zu versenken.
Ich befinde mich immer noch auf dem Eis, der jederzeit einbrechen könnte, allerdings fühle ich mich auf der geprüften offiziellen Winterstraße sicherer, als auf dem nicht offiziellen Eis, auf dem ich vorhin gefahren bin.
5 Minuten später erreiche ich endlich das Festland. Alle meine Nervenzellen entspannen sich, es fühlt sich an, als ob ich den Stromschalter im Körper abgestellt habe.
Ich atme tief aus und freue mich, dass alles gut verlaufen ist.
Nach einer kurzen Pause mache ich mich auf dem Weg und fahre die nächsten 3 Stunden zur nächsten Großstadt, von wo aus meine Reise weitergeht…



Noch kein Kommentar, Füge deine Stimme unten hinzu!